Der Weihnachtsengel
Aus der zentralen Rolle der Engel in der Geburtsgeschichte Jesu, die dort den Engeln zukommt, ist die Verbindung zum Weihnachtsfest für das Engelschnitzen als Ursprung im Erzgebirge entstanden. Ein einziger Engel kündigte den Hirten die Geburt des Messias an. Von einer ganzen Engelschar wird Gott gepriesen und und die Botschaft vom Frieden gesungen – das Gloria in excelsis. Damit gab der Weitblick der Engel Anlass zur Freude und Hoffnung. In Betlehem sangen die Engel vom Frieden auf der Welt. Sie singen in friedloser Zeit, mitten in Kriegen, mitten im Terror, mitten in Hass, Angst und Gewalt – Jahrtausende, gestern und heute.
Nach Beginn des Holzschnitzens im Erzgebirge im 19. Jahrhundert riefen Anfang des 20. Jahrhunderts einige Spielzeugmacher, die aus Holz geschnitzten oder gedrechselten Weihnachtsengel ins Leben. Diese Holzfiguren stehen auf einem Holzpodest und spielen meist ein Instrument. Dabei gibt es aber auch sitzende und hängende Varianten in den verschiedensten Größen. Um ihren himmlischen Charakter hervorzuheben, werden die Weihnachtsengel und andere Engel mit Flügel ausgestattet. Die Weihnachtsengel gibt es sowohl bunt lackiert als auch naturholzfarben. Gern werden diese Figuren einzeln oder als Chor in einer Pyramide oder in der Geburtskrippe Jesu selbst aufgebaut. Die auf den Flügeln vorhandene Anzahl der Punkte weist auf den jeweiligen Hersteller hin. Diese sind das Markenzeichen. Margarete Wendt, Olly Wendt geb. Sommer & Margarete Kühn gelten als Pioniere und Georg Beyer als Erfinder der Faltenrockengel. Sehr schnell wurden sie bekannt und verbreiteten sich über das Erzgebirge hinaus. Während des 2. Weltkrieges kam die Produktion fast zum Stillstand. Zum Exportschlager und Devisenbringer wurden sie jedoch in der ehemaligen DDR. Dies sollte zu damaliger Zeit unbekannt bleiben. Da man mit der Kirche nichts am Hut hatte, wurde der Begriff „Jahresendflügelfigur“ ins Leben gerufen. Nach 1990 schafften viele erzbergische Manufakturen den Sprung in die Marktwirtschaft. Weiterhin stellen die Weihnachtsengel ein wichtiges Element in der erzgebirgischen Volkskunst dar. Auf Weihnachtsmärkten werden sie immer noch angeboten und gut verkauft. Die Anzahl der gefertigten Modelle ist stark gestiegen. Die Nachfragen kommen inzwischen aus aller Welt. „Echt Erzgebirge“ ist ein Markenzeichen, woran man die handgeschnitzten erzgebirgischen Figuren erkennen kann. Dieses Logo klebt auf der Unterseite einer handgefertigten Schnitz- oder Drechselfigur eines, wie z. B. Weihnachtsengels. Aufgrund der soliden Qualität muss man für ein solches Original etwas tiefer in die Tasche greifen als für ein primitives Konkurrenz-Exemplar aus Fernost.
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